Durch Torfabbau sind Moore und Feuchtwiesen weltweit stark geschrumpft. Doch sie sind ein wertvoller CO2-Speicher. Mit der Moorstrategie Österreich 2030+ sollen diese Flächen geschützt und wiederhergestellt werden. Bleibt die Frage: Kann man Torf ersetzen? bene. hat bei Global 2000 und den jungen Gründern von Terra Alpin im Salzburger Pongau nachgefragt.
„Zu spät, aber immerhin tut sich was“, meint Dominik Linhard von der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000. Er spricht dabei über das Projekt LIFE AMooRe (Austrian Moor Restauration). „In das Projekt fließen 44 Millionen Euro, es soll die Umsetzung der österreichischen Moorstrategie 2030+ voranbringen.” Diese will Moorflächen langfristig erhalten.
Mit an Bord sind alle neun Bundesländer, zwei Universitäten und das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Zur Verdeutlichung: Hochmoor-Flächen sind in Österreich seit dem Jahr 1700 um 90 Prozent zurückgegangen (von 300.000 Hektar auf 30.000 Hektar).

Geschädigte Moore retten

„Man kann die zerstörten Flächen renaturieren, doch das braucht Zeit“, ergänzt Linhard. Man muss wissen: Gesunde Moore gehen weltweit zehnmal schneller verloren, als sie wachsen, und jedes Jahr werden weltweit weitere 500.000 Hektar Moor zerstört. „Allein in Österreich müssen 90 Prozent der bestehenden Flächen renaturiert werden, da gehört noch viel getan.“

Solange das organische Material unter Wasser liegt, kann ein Moor wachsen und die Torfschicht an Dicke zunehmen. Doch bereits in der Bronzezeit vor über 4.000 Jahren wurde Torf als Brennstoff genutzt. In Ländern wie Irland, Finnland oder Belarus wird er bis heute verheizt.
Schädlicher Torfabbau
Sobald Torf abgebaut wird, wird das gespeicherte Co2 freigesetzt. Wegen seiner flexiblen Eigenschaften wird Torf seit Mitte des 20. Jahrhunderts als Rohstoff für Blumenerde im Gartenbau verwendet, denn er speichert viel Wasser und gibt den Pflanzen Struktur und Halt.

Obwohl Deutschland und Österreich die Torfnutzung möglichst bald beenden wollen, bleibt ein Problem: Im Jahr 2021 importierte Österreich 133.000 Tonnen Torf aus Ländern wie Deutschland, Lettland, Litauen und der Tschechischen Republik, denn der Handel mit Torferde ist nach wie vor lukrativ.
„Torf ist bisher einer der wichtigsten Rohstoffe für die Herstellung von Gartenerden. Doch Torfabbau zerstört Moore, setzt CO₂ frei und gefährdet die Biodiversität“ Dominik Linhard
Die Lösung kommt aus dem Pongau
Torfverzicht wäre also die Lösung. Doch was funktioniert stattdessen? Die beiden Salzburger Fredrik Parigger und Philipp Klausner kennen die Antwort. Erste Vorarbeit leistete Christian Ehrensberger, indem er 2019 auf dem Gelände des familieneigenen Schotterwerks in Tenneck ein Erdenwerk und die Kompostierungshalle errichtete. Tenneck liegt im Pongauer Salzachtal und gehört zur Gemeinde Werfen. Christian, Fredrik und Philipp kennen sich aus dem gemeinsamen Heimatort Werfenweng.
Bei der Ehrensberger GmbH sind auf rund neun Hektar Fläche 25 Mitarbeiter*innen beschäftigt. Seit sechs Jahren wird im Erdenwerk Biomasse in Form von Mähgut, Grünschnitt, Erde, Wurzelstöcke und Sträucher zu Kompost verarbeitet. Auch Philipp und Fredrik sind dort angestellt und verwirklichten dort ihre innovative Idee.

Von der Masterarbeit zur fertigen Marke
„Ein Anfang war gemacht, dann kamen Philipp und ich ins Spiel“, sagt der 26-jährige Fredrik. Die jungen Unternehmer haben eine Holzfaseranlage entwickelt, die sich den groben Abfall aus der Kompostierung zunutze macht. Sie investierten mehrere Millionen Euro und viele Arbeitsstunden.
Sobald der Kompost noch weiter verrottet ist, wird er von Verunreinigungen befreit. Danach gelangt die Erde über Förderbänder zum sogenannten „Ufo“, einem runden Sieb, das grobe Teile aussortiert. Diese werden zermahlen, wodurch feine Holzfaser entsteht. Sie ersetzt Torf und eignet sich ebenso als Einstreu im Stall. Erste Versuche mit der selbst hergestellten Holzfaser fanden bereits 2021 statt, heute sind die Rezepturen weitestgehend ausgereift.

Designwettbewerb für Terra Alpin
„Wir hatten alle Komponenten, aber noch nicht das fertige Produkt, wodurch wir eine bessere Wertschöpfung generieren können. Deshalb gründeten wir 2023 die Marke Terra Alpin“, sagt Philipp Klausner. Er ist für Forschung, Entwicklung und Webauftritt verantwortlich, Fredrik Parigger für die Gesamtorganisation und Abwicklung aller Prozesse. Für den Markenauftritt riefen die Jungunternehmer einen Designwettbewerb für Salzburger Qualitätserde aus, den Hannah Gruber gewinnen konnte. Sie studiert in Kuchl Design- und Produktmanagement, steht kurz vor dem Masterabschluss und ist Teil des Kernteams.


Auf die Mikrobiologie kommt es an
Bei torffreier Erde ist die Mikrobiologie ein wichtiger Faktor. Ist die Erde zu feucht, droht Schimmelbildung oder fauliger Geruch. Fehlen Nährstoffe, wachsen die Pflanzen nicht. Auch die Verpackung muss stimmen: Sie muss vor Sonneneinwirkung schützen, gleichzeitig soll die Erde atmen können. Geliefert wird lose im Lkw oder in großen Gebinden, den Bigbags. Zu den herkömmlichen Säcken haben sie den Vorteil, dass weniger Verpackungsmaterial benötigt wird.

Im Labor wird an Presstöpfen und Trays mit Tomaten, Chilis, Chinakohl und Salat getüftelt. „So finden wir heraus, wie unsere Mischungen funktionieren“, sagt Laborexperte Philipp. Dabei handelt es sich teilweise um sehr komplexe Auswertungen. „Die Versuchsreihen folgen einer genauen Matrix, das Wachstum ist aber auch abhängig von der Außentemperatur, da braucht es viel Feinabstimmung.“

Erde ist nicht gleich Erde
Bei Terra Alpin sind sieben verschiedene Produkte am Markt erhältlich, drei der sieben Erden sind vegan. Bei diesen pflanzlichen Varianten ersetzt Traubenkernschrot die Hornspäne, die üblicherweise zur Düngung verwendet werden. Auch Kaffeesud wird beigemengt, den die “Altstoff Recycling Austria” (ARA) liefert.
Zu den Kunden von Terra Alpin zählen regionale Gartenbauvereine, Privatkunden, Landschaftsgärtner und Gärtnereien. Durch die Kooperation mit „Natur im Garten“ mit Sitz in Tulln wird die Salzburger Bio-Erde insbesondere auch in Niederösterreich vertrieben. Alle Produkte sind mehrfach zertifiziert:
- gentechnikfrei
- frei von synthetischen Düngemitteln und Chemikalien
- Förderung der Biodiversität und reduzierter Wasserverbrauch
Besonders gern wird Gartenfaser gekauft, gefolgt von Hochbeeterde. „Unsere Hochbeeterde enthält zum Beispiel mehr Kompost und dadurch mehr Wasserspeicher. Dazu kommen Holzfaser, Minerale und Nadelstreukompost. Dieser sorgt für die langfristige Struktur, das Volumen bleibt erhalten“, so die Erfinder von Terra Alpin.
Vielfalt ist gefragt
Einen nachhaltigen Weg beschreitet auch das österreichische Unternehmen bellaflora. Seit 2013 begleitet und berät Dominik Linhard die Gartenfachmarkt-Kette aus Oberösterreich. Im Frühjahr 2025 präsentierte Geschäftsführerin Susanne Eidenberger die ambitionierten Pläne: „Mit dem kompletten Umstieg auf torffreie Erde und der Einführung von Mehrweg-Pflanzentrays gehen wir 2025 zwei entscheidende Schritte in Richtung Zukunft.“ Linhard dazu: „bellaflora zeigt mit diesem Schritt beispielhaft, dass alternative Lösungen möglich und notwendig sind.“
So kannst du aktiv zum Klimaschutz beitragen
- Achte beim Erde-Kauf auf “torffrei”
- Unterstütze Unternehmen, die aktiv zum Moorschutz beitragen
- Frag im Gartencenter gezielt nach regionalen Produkten wie Terra Alpin

Autorin: Monika Bayerl





