Wohnungssuche heißt oft: Kompromisse machen. Vor allem junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren spüren in Städten wie Wien, Graz oder Linz die Folgen der Wohnkrise besonders stark. Die Mieten steigen, passende Angebote sind rar. Viele fragen sich: Wie kann man in der Stadt ein Leben aufbauen, wenn selbst kleine Wohnungen kaum leistbar sind? Gleichzeitig wird deutlich: Die Städte von morgen müssen mehr sein als reine Wohnorte. Sie sollen nachhaltiger, gerechter und flexibler werden – und die Lebensrealität junger Menschen mitdenken.
Laut Arbeiterkammer verbrauchen Haushalte durchschnittlich 33,1 % ihres Einkommens für Wohnkosten. Bei einkommensschwachen Haushalten sind es sogar 44 %.
Wohnraum wird knapp – und teuer
Immer mehr Menschen zieht es in Österreichs Städte, während der verfügbare Platz begrenzt ist. Der klassische Wohnbau stößt an seine Grenzen: hohe Grundstückspreise, steigende Baukosten, auch in Hinblick auf die Klimaziele treiben die Preise in die Höhe – besonders für jene, die am Anfang ihres Berufslebens stehen oder noch studieren. Ohne Erbe, Beziehungen oder einen sicheren Job wird die Wohnungssuche schnell zur Belastung.
Am 1. Jänner 2025 lebten laut Statistik Austria 9.197.213 Personen in Österreich – ein Plus von 38.463 gegenüber dem Vorjahr (1. Jänner 2024)
Wien verzeichnete dabei das stärkste Wachstum unter allen Bundesländern: +1,1 % (ca. 22.639 zusätzliche Einwohner*innen) und erreichte am 1. Jänner 2025 2.028.289 Einwohner*innen .
Zukunftssicheres Wohnen – was bedeutet das?
Neue Wohnkonzepte setzen genau hier an. Es geht zum einen um energieeffiziente Gebäude, nachhaltige Materialien und flexible Grundrisse. Auch digitale Infrastruktur, die Nähe zu Arbeitsplätzen, Grünflächen und leistbare Mieten spielen eine Rolle. Immer häufiger werden solche Projekte nicht nur von Bauträgern, sondern auch von engagierten Gruppen oder den Städten selbst getragen.
Aspern Seestadt: Groß denken, nachhaltig leben
Eines der bekanntesten Projekte in Österreich liegt im Nordosten Wiens: die Seestadt Aspern. Auf dem Gelände eines ehemaligen Flugfelds entsteht seit den 2010er-Jahren ein neuer Stadtteil für über 20.000 Menschen. Die Fertigstellung ist für 2028 geplant. Der Fokus liegt auf nachhaltigem Bauen, gemischten Wohnformen und guter Anbindung. Neben klassischen Mietwohnungen gibt es auch Baugruppenprojekte (z. B. BROTAspern, JAspern, Leuchtturm Seestadt), bei denen zukünftige Bewohner*innen Gemeinschaftseinrichtungen wie Küchen, Werkstätten oder Gärten mitgestalten.
Gleis 21: Selbstbestimmt wohnen mitten in Wien
Ein weiteres Beispiel ist Gleis 21 im Sonnwendviertel nahe dem Wiener Hauptbahnhof. Hier haben sich rund 40 Menschen zusammengeschlossen und ein gemeinschaftliches Wohnhaus entwickelt – mit Musikraum, Dachgarten, Bibliothek und Co-Working-Zone. Die Wohnungen sind individuell, das Haus ein gemeinsames Projekt. Viele Bewohner*innen engagieren sich kulturell oder sozial – zum Beispiel mit Veranstaltungen oder Nachbarschaftshilfe. Auch hier zeigt sich: Zukunftssicheres Wohnen bedeutet mehr als vier Wände – es heißt auch Verbindung und Verantwortung.
Tabakfabrik Linz: Wohnen trifft Arbeiten
In Linz wird die Tabakfabrik – ein Industriedenkmal aus den 1930er-Jahren – zu einem urbanen Zukunftslabor umgebaut. Wo einst Zigaretten produziert wurden, entstehen heute Arbeitsplätze für Start-ups, Veranstaltungsräume, Ateliers – und bald auch Wohnungen. Unter dem Motto „Stadt in der Stadt“ entsteht ein Ort, an dem Leben, Arbeiten und Kreativität verschmelzen. Besonders spannend für junge Menschen: Die Wohnungen sind als flexible Einheiten gedacht, die sich an veränderte Lebensrealitäten anpassen lassen. Es entstehen so rund 175 Wohneinheiten mit je ein bis drei Zimmern.

Förderungen und Chancen
Um den Einstieg für junge Erwachsene zu erleichtern, gibt es in Österreich zahlreiche Förderungen – je nach Bundesland unterschiedlich. In Wien wird etwa das Baugruppenmodell durch spezielle Grundstücksvergaben gefördert. Auch Genossenschaftswohnungen sind oft günstiger als am freien Markt. Initiativen wie Gemeinsam Bauen & Wohnen oder die Wohnberatung Wien bieten eine Übersicht über offene Projekte sowie die Genossenschaften und können bei der Wohnungssuche helfen.
Fast 20 % aller österreichischen Haushalte – also rund 1 Mio. Menschen – leben in einer Gemeinde- oder Genossenschaftswohnung; in Wien sind es über 200.000. (Quelle: EHL, Statistik Austria)

Ausblick: Es bewegt sich was
Zukunftssicheres Wohnen ist keine ferne Vision – es entsteht bereits mitten in unseren Städten. Ob Großprojekte wie die Seestadt, gemeinschaftliche Häuser wie Gleis 21 oder kreative Mischmodelle wie die Tabakfabrik Linz: Es gibt Wege, urban und sinnvoll zu wohnen. Wichtig ist, sich früh zu informieren, zu vernetzen und vielleicht auch alternative Wohnformen in Betracht zu ziehen. Die Herausforderungen bleiben groß, aber der Wandel hat begonnen – und vor allem junge Menschen können ihn aktiv mitgestalten.
Autor: Christian Kemptner
Quellen und Verweise:
Baugruppen Seestadt Aspern https://www.aspern-seestadt.at/lebenswelt/wohnen-arbeiten/baugruppen
Gleis 21: Gleis 21 – einszueinshttps://www.einszueins.at/project/baugruppe-hauptbahnhof-gleis-21/
Tabakfabrik Linz | Allgemeine Informationen https://tabakfabrik-linz.at/
QUADRILL – Tabakfabrik Linz https://www.quadrill.at/projekt
Gemeinsam Bauen & Wohnen: Initiative GEMEINSAM Bauen & Wohnen | Initiative GEMEINSAM Bauen & Wohnen https://www.inigbw.org/
Wohnberatung Wien: Wohnberatung Wien https://wohnberatung-wien.at/





