Sommer, Ferienzeit. Am Wiener Uni-Campus kehrt Ruhe ein. Aber vor einigen Wochen herrschte hier noch geschäftiges Treiben. bene. hat mit einer Anglistik-Studentin darüber gesprochen, was sie bewegt und wie sie mit belastenden Nachrichten im alltäglichen Leben umgeht. Hat sie denn ein Rezept dafür?
Alenas Vorlesung beginnt erst in zwei Stunden. Die Wiener Studentin wohnt im 12. Bezirk. Sie studiert Anglistik und Amerikanistik im vierten Semester und hat sich dafür entschieden, die britische Variante der Sprache zu lernen. „Die Situation in Amerika ist seit Jahren bedenklich, aber nun (Anm. seit Donald Trumps Angelobung) hat sie neue Höhepunkte erreicht“, sagt sie ernst.

Donnerstag, 12 Uhr. Hof 8.3. Mehrere junge Menschen sitzen auf Heizkörpern und jausnen. Eine Gruppe von Studierenden teilt sich Zimtschnecken aus einer emaillierten Backform im Stil der 70er Jahre. Während sie essen und reden, ist eine junge Frau tief über ihren Schreibblock gebeugt, hie und da wirft sie einen Blick auf ihr Tablet und notiert Stichwörter – obwohl es in der Vorhalle des Instituts rauscht, hallt und pulsiert.
Gesprächsfetzen, helles Lachen und die ständig ins Schloss fallende Fluchttür erhöhen das Grundrauschen. Viele Leute queren den Gang, sie haben es eilig zur nächsten Besprechung zu kommen. Die junge Wienerin möchte einmal in Irland und Schottland arbeiten.
Die aktuelle politische Situation bestärkt sie in ihrer Entscheidung, nicht in die Vereinigten Staaten von Amerika zu gehen. Alena erwähnt auch das Project 2025 und sagt darüber: „In diesem Dokument steht, wie jegliche Finanzierungen für Umwelt- und Menschenrechtsprojekte verhindert werden sollen.“
Zum Project 2025: „Mandate for Leadership – The Conservative Promise” ist eine 900 Seiten starke Agenda der konservativen „Heritage Foundation“, die als demokratiegefährdend diskutiert wird. Ziel ist durch Stärkung der Exekutive und durch Personalumbau die autoritäre Machtstellung des Präsidenten zu etablieren. Donald Trump stritt im Wahlkampf ab, die Inhalte des Project 2025 zu kennen. Doch die Einflüsse sind nicht mehr abzustreiten.
Der US-amerikanische Journalist David Graham veröffentlichte im April das Buch „How Project 2025 Is Reshaping America“. Laut Graham hätten viele der Project-2025-Autoren heute Ämter in der Regierung inne. Er hebt weiters hervor: „Es gab bereits Dutzende von Präsidialerlassen, die direkt Ziele aus dem Project 2025 widerspiegeln.“
Politik im Curriculum
Im Wintersemester nahm Alena an einem Medienseminar teil. In „Critical Media Analysis“ ging es um den Online-Wahlkampf zwischen Donald Trump und Kamala Harris in den USA. „Es war sehr interessant und ich finde es spannend, wie Medien dasselbe Ereignis unterschiedlich abbilden.“
Am Tisch liegen Schokoriegel und Jeansjacke, Jausensackerl und abgepackter Nudelsalat, daneben Schüttelpennal, Handy, Bleistift, Schreibblock. Die jungen Leute essen von Servietten, trinken aus Glas- oder Edelstahlflaschen, der Haargummi ummantelt einen Stoß Karteikarten.

Seit 2015 sinkt die Zahl der Studierenden des Studienzweigs Anglistik und Amerikanistik, wobei der Rückgang unter den weiblichen Studierenden deutlicher ausfällt als bei den männlichen Kollegen. Zwischen 2009 und 2017 hieß der amerikanische Präsident Barack Obama. Inwieweit seine Amtszeit direkten Einfluss auf die Zahl der Inskriptionen hatte, lässt sich im Nachhinein kaum sagen.
Politisch interessiert zu sein ist zumindest dieser jungen Frau sehr wichtig. „Man sollte wissen, was um einen passiert“, sagt sie und „Die USA sind nicht das einzige Land, in dem Menschenrechte in Gefahr sind.“
Mit Freunden und Freundinnen sprechen
Der Rechtsruck in Europa und in Österreich belastet die Studentin. Generell nimmt sie eine angespannte Grundstimmung wahr. Auch ihren Freund*innen ist nicht egal, was rund um sie herum vorgeht. „Die negativen Ereignisse rundherum belasten uns alle“, so die Meidlingerin.
Aber: An der Uni sprechen die Freundinnen oft über Politik. „Man muss über Politik reden, sonst staut sich alles in einem auf“. Ähnliche Ansichten und Interessen verbinden, die Stimmung sei sehr offen.
Draußen im Hof zwitschert eine Amsel, der Wind stößt durch die offene Tür in die Halle. Der Supermarkt am Campus wird von den Studierenden stark frequentiert. Zwischen den Bäumen sitzen Leute auf Parkbänken und essen gemeinsam. Alena muss beim Essen nicht sparen, da sie noch zuhause wohnt.
Die richtige Balance finden
„Mein Stress rührt auch von Social Media Plattformen, ich erfahre dort Nachrichten, will aber gleichzeitig mit Freundinnen im Austausch sein. Wenn sich das alles mischt, ist es sehr viel auf einmal.“
Von TikTok sei Alena deshalb ausgestiegen. Die Studentin spricht offen an, dass es auch Phasen gab, in denen es ihr nicht gut ging. Sie wandte sich an ihre Uni-Professoren, welche zu ihrer Erleichterung Verständnis zeigen. So konnte sie die Abgabefrist verlängern und sich ein bisschen Luft verschaffen.
Jetzt stehen die Ferien vor der Tür, einige Wochen Zeit zum Abschalten. Alena wird malen, kochen, Freunde treffen und ab und an das Handy weglegen.
Wie gehst du mit Belastungen um? Teile uns deine Strategien mit, wie du in Balance kommst. #selbstfürsorge
Tipp der bene. Redaktion:
- Frage dich, was du im jeweiligen Moment brauchst
- Betrachte dich selbst mit Mitgefühl und Verständnis
- Lerne „Nein“ zu sagen, wenn du dich überfordert fühlst
- Pflege regelmäßig Aktivitäten, die dir guttun und dich entspannen.
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Monika Bayerl




